Bergsträßer Anzeiger 23.09.2014

Alm-Abtrieb: Hunderte Besucher ließen sich das Spektakel in Gronau nicht entgehen

Else und Co. als tierische Stars

 

Der erste Alm-Abtrieb in Gronau war am Sonntagnachmittag eine Riesen-Gaudi, die Hunderte von Schaulustigen anlockte. Nadja Böhm aus Raidelbach ritt auf Kuh Nelly ins Tal.

© Matern

Gronau. Von wegen grazile Laufsteg-Elfen: Die Damen stehen allesamt gut im Futter und hätten beim Rennen um "Germany's next Topmodel" garantiert null Chancen. Trotzdem waren sie ebenso wie ihr männlicher Beschützer "Tarzan von der Klausenmühle" begehrte Fotoobjekte und ließen sich - ganz Profis - von Rummel und Blitzlichtgewitter nicht den Schneid abkaufen.

Die Stars hießen aber schließlich auch nicht Heidi oder Bruce, sondern Alma, Else, Babsi, Bella und Flecki. Sie tänzelten auch nicht auf zwei staksigen Beinchen daher, sondern trampelten gemütlich auf vier Stampfern auf der Weide talabwärts - und verzogen dabei keine Miene.

Behäbige Rindviecher

Um genau dieses Spektakel vor Ort hautnah zu erleben, waren am Sonntagmittag Hunderte von Schaulustigen mit Kind und Kegel Richtung Gronauer Sportplatz gepilgert. Dorthin hatte die Freiwillige Feuerwehr nach einem zünftigen Frühschoppen mit der Lindenfelser Trachtenkapelle zum ersten Gronauer Almabtrieb eingeladen.

Und die behäbigen Rindviecher von Vollerwerbslandwirt Werner Jung und seinem Nachbarn Gerhard Laut machten ihrem Ruf als Vierbeiner ohne Berührungsängste alle Ehre. Schließlich handelt es sich ja nicht um irgendwelche Allerweltskühe, sondern um vielfach ausgezeichnete Tiere mit Zertifikat, wie Moderator Klaus Werner die Zuschauer informierte. Lediglich die niedlichen Kälbchen sind noch ohne Ruhm und Ehre.

Das eine oder andere Rindvieh hatte - ganz in der Tradition seiner alpenländischen Vorbilder - eine große Glocke um den Hals baumeln. Auf sonstigen Schmuck hatte man aber vorsorglich verzichtet, "das sind die Kühe nicht gewöhnt. Aber vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr", war als Auskunft zu hören. Schön wär's. Denn dass der erste Almabtrieb keine Eintagsfliege bleibt, steht jetzt schon ziemlich fest. "Der Besucherandrang hat alle unsere Erwartungen übertroffen", zeigte sich der stellvertretende Wehrführer und zweite Vorsitzende Simon Bickel mehr als zufrieden.

Das Gaudi-Finale war dann auch nicht von schlechten Eltern: Die erst 13 Jahre alte Nadja Böhm aus Raidelbach ritt auf ihrer Kuh Nelly talwärts und war im Nu von zahlreichen Schaulustigen umringt. Außerdem hatte die Freiwillige Feuerwehr rund um das Festzelt einen kleinen Bauernmarkt aufgebaut. An verschiedenen Ständen wurden regionale Produkte für Kehle und Magen angeboten. Schweine und Hühner waren dagegen lediglich Anschauungsobjekte. gs

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 23.09.2014